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Widerstand zeigt sich, wenn Kontrolle endet

  • 10. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit

In meiner Arbeit habe ich die Erfahrung gemacht, das sich viele Menschen gar nicht bewusst sind, wann sie in Widerstand gehen. Sie erleben sich als offen, reflektiert und neugierig – solange sie sich in vertrauten Bahnen bewegen und die Kontrolle bei ihnen liegt. In diesen Momenten fühlt sich das eigene Handeln stimmig an, sicher, überschaubar.


Erst wenn etwas wirklich Neues auftaucht, verändert sich das.


Eine Beziehung, in der Vertrauen noch nicht gewachsen ist. Eine Nähe, die ungewohnt ist und Erwartungen mit sich bringt, auf die man nicht vorbereitet war.


Eine neue Rolle mit Verantwortung, in der plötzlich das Gefühl entsteht, sich beweisen zu müssen, damit andere folgen.

Oder eine finanzielle Schieflage – oder auch die unbegründete Angst vor einer solchen, die sich dennoch real anfühlt und inneren Druck erzeugt.


Manchmal ist es aber auch weniger offensichtlich. Eine neue Information, die ein bestehendes Bild infrage stellt.


Eine Meinung, die über Jahre vehement vertreten wurde und nun nicht mehr trägt. Für viele fühlt sich das nicht nach Lernen an, sondern nach Schwäche.


Als würde ein Zurückrudern bedeuten, unglaubwürdig zu werden. Also wird festgehalten – nicht aus Überzeugung, sondern aus Angst, etwas von seiner Autorität zu verlieren.


Wer über Jahre hinweg vor allem das getan hat, was er konnte oder wollte, hatte kaum Anlass, Widerstand wahrzunehmen. Es gab keinen Auslöser. Erst wenn etwas geschieht, das nicht mehr steuerbar ist oder alte Muster infrage stellt, kommt er zum Vorschein. Dann greifen häufig vertraute Strategien: Druck nach innen, Selbstkritik – oder das Ausweichen vor dem, was gerade nicht kontrollierbar ist.


Was hier oft fehlt, ist nicht Einsicht oder Verstand, sondern die Kraft zur ehrlichen Selbstbegegnung. Die Fähigkeit, sich selbst zu sehen, ohne sofort in Rechtfertigung, Abwehr oder Rückzug zu gehen. Wahrheit auszuhalten ist anspruchsvoll – besonders dann, wenn sie das eigene Selbstbild berührt.


Viele Menschen erleben Hinweise auf eigene Grenzen oder blinde Flecken als Angriff. Dabei liegt genau hier die Möglichkeit zur Entwicklung. Wer erkennen kann, wo etwas nicht trägt, ohne es persönlich zu nehmen, gewinnt Handlungsspielraum. Nicht, weil er schwächer wird, sondern weil er präziser hinschaut.


Neue Erfahrung entsteht nicht dort, wo wir recht behalten oder ausweichen. Sie entsteht dort, wo wir bereit sind, Unsicherheit zuzulassen, ohne uns selbst zu verlieren. Wo Kontrolle fehlt und wir dennoch präsent bleiben. Und wo aus dem, was zunächst wie Schwäche erscheint, eine tragfähige Stärke wachsen kann.


Wenn dieser Text Reibung auslöst, Unbehagen oder sogar Abwehr, ist das kein Zufall. Diese Reaktionen entstehen nicht, weil etwas falsch ist, sondern weil etwas berührt wird. Oft zeigen gerade diese Momente, wo ein Thema nicht nur verstanden, sondern gespürt wird.

 
 
 

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